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Verliehen wurde der Clara-Zetkin-Preis von den
Frauen der IG Metall Heidenheim. Vorsitzende Brigitte Milde schlüpfte in
die Rolle Clara Zetkins und überreichte den mit 500 Euro dotierten und
mit einer Skulptur sichtbar gemachten Preis, mit dem jährlich am 8. März
eine Frau geehrt werden soll, die durch ihr Wirken einen nachhaltigen
Beitrag für die Frauenarbeit geleistet hat.
Elvira Muschler ist so eine Frau. In einem Interview und Bildern wurde
ihr Leben nachgezeichnet. In Kitzingen/Main geboren und 1943 nach
Schnaitheim evakuiert, musste sie sehr früh die Kinderrolle ablegen.
Schon als 14-Jährige kümmerte sie sich um die neu geborene Schwester,
während die Mutter zur Arbeit ging. Mit 15 fing sie selbst zu arbeiten
an bei der Schäfer Zigarrenfabrik, später machte sie eine Ausbildung zur
Kauffrau. Kurz darauf heiratete sie und war zehn Jahre lang Mutter und
Hausfrau.
Was es heißt, Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut zu
bekommen, erfuhr sie dann nach ihrer Scheidung, als sie 1965 bei Siemens
(heute Epcos) zu arbeiten begann. Unterstützung für allein erziehende
Frauen gab es damals nicht. Sie kümmerte sich dabei nicht nur um ihre
eigenen fünf Kinder, sondern später auch noch um die sieben Kinder ihres
zweiten Ehemanns. doch genau diese Schwierigkeiten spornten Elvira Muschler an, aktiv zu werden. Ihr Rat heute: an die Frauen: „Handeln,
und nicht warten, bis jemand etwas tut. Nur war die Frauen selbst
bewegen, bewegt sich, alles andere bleibt.“ Den Preis nahm sie gestern
unter stehenden Ovationen entgegen, „tief bewegt“. Clara Zetkin habe den
Weg bereitet, „den wir heute gehen können, wenn wir nur wollen.“
Und Elvira Mutschler wollte: Mit ihrer Arbeit bei Siemens trat Elvira
Muschler der IG Metall bei, wo sie sehr schnell selbst aktiv
mitarbeitete. Über 20 Jahre lang war sie im Ortsfrauenausschuss, davon
15 Jahre lang Vorsitzende. Als Betriebsrätin und
IG-Metall-Vertrauensfrau beschäftigte sie sich unter anderem mit
Frauenfragen, sprach aber auch in der Lohnkommission mit. Nicht zuletzt
weitete Elvira Muschler ihr Engagement auch lokalpolitisch aus, als sie
von 1974 bis 1982 für die SPD in den Gemeinderat gewählt wurde. Heute
ist die Geehrte in der Seniorenakademie aktiv.
Obwohl Muschler 1994 aus der SPD austrat, erwiesen ihr bei der gestrigen
Feier etliche SPD-Vertreter die Ehre, darunter Landtagsabgeordneter
Wolfgang Staiger und SPD-Fraktionsvorsitzender Kurt Wehrmeister sowie
der frühere DGB-Landesvorsitzende Siegfried Pommerenke. Vor allem aber
waren viele in der IG Metall engagierte Frauen bei dieser ersten
Preisverleihung unter den Gästen, unter anderem die Verantwortliche für
Frauenfragen der IG Metall Baden-Württemberg, Monika Lersmacher sowie
Vertreterinnen der benachbarten IG-Metall-Verbände. Und schließlich
führte durch den Abend Marion von Wartenberg, die lange Jahre
Vorsitzende des Frauenrats Baden-Württemberg war.
Andreas Strobel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, verteidigte die
Benennung des Preises nach Clara Zetkin. Er kritisierte „Menschen, deren
Geschichtsbewusstsein immer noch nach dem alten Schwarz-Weiß-Schema
funktioniert“ und spielte damit auf die Ablehnung der Stadtspitze an,
eine Straße nach Clara Zetkin zu benennen, woraufhin der Preis entstand.
Clara Zetkin sei unbestritten eine der herausragenden historischen
Frauenpersönlichkeiten. Gemeinsam mit Rosa Luxemburg hätte sie dafür
gesorgt, dass die Frauen nach 1918 das allgemeine Wahlrecht in
Deutschland erhielten.
Karin Fuchs |